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Blick nach vorn bei ER+/HER2- Brustkrebs: Analyse von Langzeit-Prognosefaktoren
Blog-Serie "Navigieren durch ER+ HER2- Brustkrebs im Frühstadium"
Blick in die Zukunft bei ER+/HER2- Brustkrebs:
Langfristige prognostische Faktoren aufschlüsseln
Moderatorin: Dr. Jessica Leitsmann, Brustkrebsspezialistin am Brustzentrum des Elblandklinikums Radebeul
Zusammenfassung:
Dieses Webinar untersuchte wichtige Erkenntnisse aus einer internationalen Diskussion zur Optimierung der Behandlung von frühem ER-positivem, HER2-negativem Brustkrebs. Unser Experte betonte die Bedeutung der Integration von genomischen Tests (wie EndoPredict) mit traditionellen klinischen Risikofaktoren – wie Lymphknotenstatus und Tumorgrad –, um personalisierte Behandlungsentscheidungen zu treffen. BRCA-Mutationen wurden im Kontext diskutiert und hervorgehoben, dass sie nicht immer einen Bedarf an Chemotherapie anzeigen. Die Diskussion konzentrierte sich auch auf den Zeitpunkt genomischer Tests, den Wert der Lebensqualität der Patientinnen und Überlegungen zur erweiterten endokrinen Therapie. Insgesamt unterstreicht die Diskussion den Wandel hin zu einem individuelleren, patientenzentrierten Ansatz in der Brustkrebsversorgung.
Falldarstellung:
Dr. Jessica Leitsmann stellte den detaillierten Fall einer 45-jährigen prämenopausalen Frau mit einer starken familiären Vorbelastung für Brustkrebs vor, darunter ihre Mutter und Großmutter mütterlicherseits. Die Patientin wurde im August 2013 mit einem invasiven duktalen Karzinom Grad 2 in der rechten Brust, ER-positiv, HER2-negativ und klinisch noden-negativ (cT2N0M0) diagnostiziert. Sie hatte keine relevanten Komorbiditäten und eine Anamnese von Hysterektomie (ohne Adnexentfernung).
Nach einer brusterhaltenden Operation mit Sentinel-Lymphknotenbiopsie (beide Knoten negativ) bestätigte die Pathologie einen 22 mm großen Tumor vom Grad 2 mit Hormonrezeptorpositivität und HER2-Negativität. Eine EndoPredict-Genexpressionsanalyse wurde angeordnet, die ein geringes Risiko für Fernrezidive anzeigte (3% über 10 Jahre allein mit endokriner Therapie), daher wurde eine adjuvante Chemotherapie weggelassen.
Gentests ergaben eine BRCA2-Mutation und der Patient unterzog sich anschließend einer laparoskopischen bilateralen Adnexektomie (prophylaktisch, mit benigner Histologie). Sie begann eine endokrine Therapie mit Letrozol und schloss fünf Jahre Behandlung ab, wobei sie gegen eine erweiterte endokrine Therapie entschied.
Im März 2022, fast neun Jahre nach der Erstdiagnose, entwickelte sie ein DCIS in der kontralateralen (linken) Brust, was durch eine Biopsie bestätigt wurde. Erneut war es hormonrezeptorpositiv. Trotz ihres BRCA2-Status lehnte sie eine prophylaktische Mastektomie ab und entschied sich für eine brusterhaltende Operation mit anschließender Strahlentherapie.
Zum Zeitpunkt der Präsentation hat die Patientin ein Nachsorgetraining von über 12 Jahren hinter sich, ist bei guter Gesundheit, ohne Anzeichen eines Wiederauftretens oder einer Metastasierung und nimmt keine onkologischen Medikamente ein. Sie wird weiterhin im Rahmen des EIF-NP-Protokolls für BRCA2-Trägerinnen überwacht.
BRCA-Mutationen: nicht immer ein Chemotherapie-Indikator
Ein zentrales Thema des vorgestellten Falls war das Vorhandensein einer BRCA2-Mutation. Während diese oft mit einem höheren Risiko verbunden sind, wurde in der Diskussion hervorgehoben, dass ein BRCA-positiver Status allein nicht automatisch eine Chemotherapie rechtfertigt. Stattdessen kann die Biologie des Tumors – insbesondere bei der Beurteilung mittels genomischer Tests wie EndoPredict – eine personalisiertere und differenziertere Risikobewertung ermöglichen. Im vorgestellten Fall war die Patientin BRCA2-positiv, wies jedoch einen niedrigen genomischen Risikoscore auf, weshalb auf eine Chemotherapie verzichtet wurde – und über ein Jahrzehnt später geht es ihr immer noch gut.
Balance zwischen Biologie, Prognose und Patientenprioritäten bei Brustkrebs im Frühstadium: Erkenntnisse aus einer international durchgeführten Umfrage
Wie treffen Kliniker die richtigen Behandlungsentscheidungen für Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium, insbesondere wenn traditionelle klinische Risikofaktoren und genomische Tests in unterschiedliche Richtungen zu weisen scheinen? In einer kürzlich durchgeführten internationalen Umfrage beantworteten Ärzte aus sieben Ländern unsere Fragebögen zur Berücksichtigung genomischer Tests, klinisch-pathologischer Faktoren und Patientenpräferenzen bei der Gestaltung langfristiger Behandlungsstrategien bei ER-positivem, HER2-negativem Brustkrebs im Frühstadium.
Die Kraft genomischer Tests – zur richtigen Zeit
Im Gegensatz zu den Ergebnissen der Umfrage, bei denen 69% der Teilnehmer Genomtests erst nach der Operation wünschten, betonte Dr. Leitsmann, dass die deutsche klinische Praxis zunehmend eine frühe Genomtestung unterstützt, sogar bereits im Biopsiestadium, insbesondere in Hochrisikoszenarien. Dieser Ansatz ermöglicht bessere anfängliche Entscheidungen, wie z. B. ob eine neoadjuvante Chemotherapie angeboten werden soll. Wichtig ist auch, dass die Patienten früher Klarheit erhalten, was ihnen hilft, sich selbstbewusst mit komplexen Behandlungsoptionen auseinanderzusetzen.
Was für Patienten am wichtigsten ist: Überleben – und Lebensqualität
Wenn Patienten eine Diagnose erhalten, ist die erste Frage, die sie stellen, einfach, aber tiefgründig: “Werde ich überleben?” Sobald der Schock nachlässt, stellen sich weitere Fragen – insbesondere zu Nebenwirkungen wie Haarausfall, Müdigkeit oder Fruchtbarkeitsbedenken. Patienten konzentrieren sich selten darauf, ob ein Medikament ihnen zwei oder drei zusätzliche Monate Leben schenkt; stattdessen wollen sie wissen, ob sie gut und lange leben können, erklärte Dr. Leitsmann. Ihre Meinung entspricht voll und ganz der Rangfolge der Antworten aus der Umfrage, in der wir nach der Bedeutung von Faktoren für die Erstentscheidung zur Therapie fragten. “Langzeitsicherheit” und “so wenige Nebenwirkungen wie möglich” waren die klaren Antworten des Publikums und beeinflussten auch die anfänglichen Behandlungsüberlegungen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, über klinische Endpunkte hinauszublicken und patientenberichtete Ergebnisse und Lebensqualität in die Behandlungsplanung zu integrieren.
Nicht alle Risikofaktoren sind gleichwertig
Ärzte, die an der Umfrage teilnahmen, bewerteten traditionelle klinische Parameter nach ihrem prognostischen Wert. Der Lymphknotenstatus stand an erster Stelle, gefolgt von der Tumorgröße und dem Grading. Interessanterweise, obwohl Genomtests wie EndoPredict als sehr wertvoll angesehen wurden, betrachteten sie diese immer noch als nur einen Teil des Puzzles. Viele Kliniker betonten die Notwendigkeit, diese Scores alongside klinischen Daten zu interpretieren – beispielsweise die Unterscheidung zwischen Patienten mit 1–3 gegenüber 4+ positiven Lymphknoten.
Dr. Leitsmann stellte klar, dass die Tumorgröße allein nicht alles ist. Kleine Tumore können aggressiv sein, während größere biologisch langsam wachsend sein können. Graduierung, Heterogenität und genomische Profile des Tumors liefern oft ein genaueres Bild.
Erweiterte endokrine Therapie: Wer profitiert?
Dr. Leitsmann erklärte, dass die Entscheidung, eine endokrine Therapie über fünf Jahre hinaus fortzusetzen, vom individuellen Risikoprofil abhängt. Patienten mit intermediären genomischen Risikoscores könnten von einer erweiterten Therapie oder sogar der Hinzufügung von CDK4/6-Inhibitoren profitieren. Ist der vorhergesagte Nutzen jedoch marginal – sagen wir, ein Gewinn von 4% bei einem 75-jährigen Patienten –, würden viele Ärzte in Erwägung ziehen, auf eine Chemotherapie zu verzichten. Im Gegensatz dazu könnte ein jüngerer Patient mit demselben Risiko wählen, jeden potenziellen Vorteil zu nutzen.
Letztendlich zählt die Stimme des Patienten. Im vorgestellten Fall entschied sich die Frau nach fünf Jahren, die endokrine Therapie zu beenden, basierend auf ihrem geringen Risiko und ihrer guten Lebensqualität. Zwölf Jahre später hält diese Entscheidung weiterhin Bestand.
Erkenntnisse: Auf dem Weg zu wirklich personalisierter Krebsbehandlung
Diese Diskussion unterstrich einen wachsenden Trend hin zu patientenzentrierter, biologisch informierter Versorgung bei frühem Brustkrebs:
- Genomische Tests wie EndoPredict helfen bei der Personalisierung der Therapie und unterstützen die Langzeitrisikobewertung – sie sollten jedoch das klinische Urteilsvermögen ergänzen und nicht ersetzen.
- Der lymphknotenstatus bleibt ein wichtiger Prädiktor für Fernrezidive, selbst im genomischen Zeitalter.
- Die Lebensqualität des Patienten, die Therapietreue und die Langzeitergebnisse müssen im Mittelpunkt der gemeinsamen Entscheidungsfindung stehen.
- Die frühe Integration genomischer Tests (z. B. bei der Biopsie) wird bei der Planung von neoadjuvanten und adjuvanten Strategien zunehmend wertvoll.
Um weitere Informationen zu diesem Thema aus der spannenden Diskussion unserer Experten zu erhalten, sehen Sie sich bitte die Aufzeichnung des Webinars an.